Hier ist dein Platz, um den Angehörigen dein Beileid zu bekunden, deiner eigenen Trauer Ausdruck zu verleihen oder ihr einige letzte Worte des Abschieds mitzugeben.
Die Trauerfeier war Sonntag, 18. Juli 2021, um 12 Uhr auf dem Jüdischen Friedhof HH-Ohlsdorf, Ilandkoppel 68 in Hamburg-Ohlsdorf.
MEMENTO MORI Mir lebn ejbig! Mir sajnen do! Wir leben ewig. Wir sind da. Für Esther Bejarano, die so Vieles war. (Auch eine Schirmherrin der HIMMLISCHEN VIER .¹ ) Von Esther Bejarano sprechen, heißt von ihren Liedern sprechen, (jeder versteht sie). Von den Liedern, die sie gesungen hat, und wann sie die gesungen hat. Und dass sie die nun nie mehr singen wird. Du hast Glück bei den Frau‘n, Bel Ami!- mit diesem deutschen Schlager wurde einem neunzehnjährigen schmalen Mädchen, die Häftlingsnummer 41948 in den Arm tätowiert wie einem Stück Vieh, in das Mädchenorchester von Auschwitz aufgenommen. „Die SS befahl uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische Menschen saßen, die auf den Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten uns zu, sie dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein“. Das schmale jüdische Mädchen mit dem Akkordeon hat ihre Schlächter überlebt. Dafür war sie stark genug. Nicht viele haben sich selbst befreit. Dieses jüdische Mädchen schon. Die meisten brauchten dafür die Rote Armee, den Widerstand der anständigen Welt. Mir leben ejbig. Mir sajnen do. Sie sang auch für diejenigen, die die finsteren Zeiten nicht überlebt hatten. Denen sang sie: S dremlen fejgel ofj di zwaign Es träumen Vögel auf den Zweigen Ich habe deinen Vater laufen gesehen, unter Steinhagel, über die Felder ist das Echo seines Weinens geflogen. Sie wusste, dass die Zeit zum Vergeben und Vergessen noch nicht gekommen ist. Nicht solange diejenigen, die ihr die Nummer in den Arm gebrannt hatten, noch immer die Schlachthöfe und die Wurstfabriken, das Gas und das Geld besitzen. Und weil die neuen Zeiten die alten waren, und also alte finstere Zeiten mit leichtem Schreiten, mit schnell... Weiterlesen
MEMENTO MORI
Mir lebn ejbig! Mir sajnen do!
Wir leben ewig. Wir sind da.
Für Esther Bejarano, die so Vieles war.
(Auch eine Schirmherrin der HIMMLISCHEN VIER .¹ )
Von Esther Bejarano sprechen, heißt von ihren Liedern sprechen, (jeder versteht sie). Von den Liedern, die sie gesungen hat, und wann sie die gesungen hat. Und dass sie die nun nie mehr singen wird.
Du hast Glück bei den Frau‘n, Bel Ami!- mit diesem deutschen Schlager wurde einem neunzehnjährigen schmalen Mädchen, die Häftlingsnummer 41948 in den Arm tätowiert wie einem Stück Vieh, in das Mädchenorchester von Auschwitz aufgenommen.
„Die SS befahl uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische Menschen saßen, die auf den Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten uns zu, sie dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein“.
Das schmale jüdische Mädchen mit dem Akkordeon hat ihre Schlächter überlebt. Dafür war sie stark genug. Nicht viele haben sich selbst befreit. Dieses jüdische Mädchen schon. Die meisten brauchten dafür die Rote Armee, den Widerstand der anständigen Welt. Mir leben ejbig. Mir sajnen do.
Sie sang auch für diejenigen, die die finsteren Zeiten nicht überlebt hatten. Denen sang sie:
S dremlen fejgel ofj di zwaign
Es träumen Vögel auf den Zweigen
Ich habe deinen Vater laufen gesehen,
unter Steinhagel, über die Felder ist das Echo seines Weinens geflogen.
Sie wusste, dass die Zeit zum Vergeben und Vergessen noch nicht gekommen ist. Nicht solange diejenigen, die ihr die Nummer in den Arm gebrannt hatten, noch immer die Schlachthöfe und die Wurstfabriken, das Gas und das Geld besitzen.
Und weil die neuen Zeiten die alten waren, und also alte finstere Zeiten mit leichtem Schreiten, mit schnell geregtem Herzen und glatten Stirnen von Neuem heraufkamen, sang sie vom Kalb, das zum Metzger gefahren wird:
Schreit das Kälbchen, sagt der Bauer:
Weshalb bist du auch ein Kalb?
Wenn du willst, dann sei ein Vogel,
wie am Himmel diese Schwalb.
Lacht der Wind im Kornfeld,
lacht und lacht und lacht
Donaj Donaj Gott ach Gott.
Dass dies schmale Mädchen überlebt hat, ist ein Wunder. Und ein Hinweis: Dass es möglich ist und dass es hilft, das zu tun, was richtig ist.
Das scheint so einfach, und ist so schwer zu machen.
Möge die Erde ihr leicht werden.
Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD
Aktionsbüro „Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“
¹ Zusammen mit Peter Gingold und Martin Löwenberg war Esther Bejarano eine Schirmherrin der Internationalen Aktion "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER".... Einklappen
Mir lebn ejbig! Mir sajnen do!
Wir leben ewig. Wir sind da.
Für Esther Bejarano, die so Vieles war.
(Auch eine Schirmherrin der HIMMLISCHEN VIER .¹ )
Von Esther Bejarano sprechen, heißt von ihren Liedern sprechen, (jeder versteht sie). Von den Liedern, die sie gesungen hat, und wann sie die gesungen hat. Und dass sie die nun nie mehr singen wird.
Du hast Glück bei den Frau‘n, Bel Ami!- mit diesem deutschen Schlager wurde einem neunzehnjährigen schmalen Mädchen, die Häftlingsnummer 41948 in den Arm tätowiert wie einem Stück Vieh, in das Mädchenorchester von Auschwitz aufgenommen.
„Die SS befahl uns, am Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen in Zügen, in denen unzählige jüdische Menschen saßen, die auf den Gleisen fuhren, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden und die alle vergast wurden. Die Menschen winkten uns zu, sie dachten sicher, wo die Musik spielt, kann es ja nicht so schlimm sein“.
Das schmale jüdische Mädchen mit dem Akkordeon hat ihre Schlächter überlebt. Dafür war sie stark genug. Nicht viele haben sich selbst befreit. Dieses jüdische Mädchen schon. Die meisten brauchten dafür die Rote Armee, den Widerstand der anständigen Welt. Mir leben ejbig. Mir sajnen do.
Sie sang auch für diejenigen, die die finsteren Zeiten nicht überlebt hatten. Denen sang sie:
S dremlen fejgel ofj di zwaign
Es träumen Vögel auf den Zweigen
Ich habe deinen Vater laufen gesehen,
unter Steinhagel, über die Felder ist das Echo seines Weinens geflogen.
Sie wusste, dass die Zeit zum Vergeben und Vergessen noch nicht gekommen ist. Nicht solange diejenigen, die ihr die Nummer in den Arm gebrannt hatten, noch immer die Schlachthöfe und die Wurstfabriken, das Gas und das Geld besitzen.
Und weil die neuen Zeiten die alten waren, und also alte finstere Zeiten mit leichtem Schreiten, mit schnell geregtem Herzen und glatten Stirnen von Neuem heraufkamen, sang sie vom Kalb, das zum Metzger gefahren wird:
Schreit das Kälbchen, sagt der Bauer:
Weshalb bist du auch ein Kalb?
Wenn du willst, dann sei ein Vogel,
wie am Himmel diese Schwalb.
Lacht der Wind im Kornfeld,
lacht und lacht und lacht
Donaj Donaj Gott ach Gott.
Dass dies schmale Mädchen überlebt hat, ist ein Wunder. Und ein Hinweis: Dass es möglich ist und dass es hilft, das zu tun, was richtig ist.
Das scheint so einfach, und ist so schwer zu machen.
Möge die Erde ihr leicht werden.
Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD
Aktionsbüro „Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER“
¹ Zusammen mit Peter Gingold und Martin Löwenberg war Esther Bejarano eine Schirmherrin der Internationalen Aktion "Das Begräbnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER".... Einklappen
